Informationen zu Lothringen und den umgebenden Regionen

 


Lothringen und seine Nachbarregionen

Lothringens Nachbarn im Norden sind Belgien mit der Province de Luxembourg, das Grossherzogtum Luxemburg und Deutschland mit dem Bundesland Saarland und einem Teil des südlichen Rheinland-Pfalz.
Im Süden schliesst die Region Franche-Comté an, und im Westen liegt die Region Champagne -Ardenne.
Die östliche Nachbarregion Alsace umfasst die Départements Bas-Rhin und das südlich anschliessende Département Haut-Rhin.

Oft nennt man Elsass und Lothringen gemeinsam im Sinne einer geographischen Einheit. Auch historisch geben gewisse Zeitabschnitte Anlass zu dieser zusammenfassenden Bezeichnung als "Elsass-Lothringen".
Diesen Gemeinschaftsbegriff generell abzulehnen, liesse sich nur mit einer starken Verkürzung des historischen Werdeganges begründen. Aber die gemeinsame Geschichte weiter Teile dieser beiden Regionen ist weit länger als die relativ kurze Spanne zwischen 1971 und 1918, als die Region unter der Bezeichnung "Reichsland Elsass-Lothringen" verwaltungsseitig zusammengefasst war.

Daher muss es sicher nich überzogen sein, das heutige Elsass zumindest in weiten Teilen als den engsten oder auch wichtigsten Nachbarn Lothringens zu sehen.

Im folgenden Artikel sind einige Ausschnitte der Entwicklung zur heutigen Region benannt :

Das Elsass war bis auf wenige Zeitabschnitte seiner Geschichte stets Grenzland. In vorchristlicher Zeit lebten hier keltische Stämme. Das Land am linken Ufer des Rheins war immer im Visier fremder Begehrlichkeiten. Im Zuge der Eroberung Galliens durch die Römer war auch das Elsässische Gebiet betroffen. Im Jahre 58. v. Chr. scheiterte ein Eroberungsversuch durch die Sueben unter Ariovist an den Truppen Julius Cäsars. Das Elsass sollte fortan Teil der römischen Provinz Germania Superior bleiben und somit des Römischen Reiches. Die Alemannen, suebische und andere Germanenstämme, strebten ab dem 3. Jh immer wieder nach Eroberung, was zu Beginn des 5. Jh schliesslich gelang. Keine hundert Jahre später wurden die Alemannen durch die Franken unter dem Merowinger Chlodwig abgelöst. Es folgte die schrittweise Christianisierung. Der Name "Elsass" erscheint in der Geschichtsschreibung seit dem frühen 7. Jahrhundert.
Das Elsass war vermutlich bis in die Mitte des 7. Jahrhunderts Teil des Herzogtums Alemannien, danach bestand für etwa 100 Jahre ein elsässisches Herzogtum.

Zentrale Bedeutung hatte in dieser und der Folgezeit das elsässisches Herzogsgeschlecht der Etichonen, benannt nach Herzog Eticho, Mitte des 7. Jahrhunderts einer der ersten urkundlich benannten Herzöge des Elsass. Das Geschlecht behielt bis zum frühen Mittelalter grossen Einfluss. Die Linie endete 1202 mit dem Tode beider Söhne des Grafen Albert II.
Die heute noch aktuellen Namen der Verwaltungsbezirke Nord- und Südgau ( Sundgau ) bildeten sich im 8. Jahrhundert.
843 regelte der Vertrag von Verdun die fränkische Reichsteilung zwischen den Enkeln Karls des Grossen. Das Elsass wechselte fortan zwischen 843 und 925 mehrmals die Herrschafen. Zunächst war es Teil des Mittelfränkischen Reiches, dann ab 870 durch den Vertrag von Mersen Teil des Ostfrankenreichs mit dem Herzogtum Schwaben. 913 unterstand es dem Westfrankenreich und ab 925 wieder dem Ostfrankenreich. Im Zuge dieser Entwicklungen gingen einstmals elsässische Gebiete im Jura sowie in der Burgundischen Pforte vom Elsass an Burgund über.

Im 11. Jahrhundert wurde Strassburg zu einem der bedeutenden Zentren des durch die Ottonischen Herrscher gegründen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Zwischen 1048 und 1054 stand mit Papst Leo IX. ein Elsässer an der Spitze der Kirche.
Nach der Eingliederung dieses Teiles des Mittelreiches in das Ostreich mit dem Grossherzogtum Baden rückte das Elsass in den Fokus der Zeit.
Unter der Herrschaft der Staufer zählte es zu deren Kernland. Der Staufer und spätere Kaiser, Friedrich Barbarossa, machte Haguenau zur Kaiserpfalz. Bereits sein Vater, der Herzog von Schwaben und Elsass, hatte die Hoch-Königsburg nahe Schlettstadt gegründet. Diese ist heute ein vielbesuchtes Ausflugsziel. Aus jener Zeit zeugen noch zahlreiche Burgruinen und Kirchenbauten vom wirtschaftlichen und kulturellen Rang der Region.


Lothringen und die Nachbarländer

Lothringen und seine Nachbarregionen

Nachbarländer Belgien - Luxemburg - Deutschland
Region Elsass
Bas-Rhin und Haut-Rhin
Region Franche-Comté
Doubs - Jura - Haute-Saône - Territoire-de-Belfort
Region Champagne-Ardenne
Ardennes - Aube - Marne - Haute-Marne

Lothringen und Europa
Europäische Vergangenheit und Gegenwart
Lothringens Beitrag zur Europäischen Integration

Europa - Glaube und Macht

der Weg zur Meuse und nach Verdun
Douaumont und die Champs de Bataille
La Grande Guerre
Chronologie 1914
Verdun im Jahr 1916
die Stadt Verdun
die Voie Sacrée zwischen Verdun und Bar-le-Duc
Bar-le-Duc
Die Oberstadt von Bar-le-Duc mit der Kirche Saint Etienne

die grossen Politiker in Frankreich und Deutschland
ab Mitte des 20. Jahrhunderts - Chronologie

die Region Saar-Lor-Lux

die Lothringischen Departements
Meurthe-et-Moselle, Meuse, Moselle und Vosges

Karl IV. Herzog von Lothringen und Bar
50 Jahre Lothringer Geschichte im 17. Jahrhundert

Karl V. bis Stanislaus I. Leszczynski

Einige chronologische Daten zur frühen
Geschichte von Lothringen

Von der Dynastie Habsburg-Lothringen
bis zu den Schüssen von Sarajevo

Jeanne d´Arc
jede Zeit braucht ihre Helden



Das 12. Jahrhundert war die grosse Zeit der Staufer. Ein wichtiges Machtzentrum der Hohenstaufen war Hagenau, eine Stadtgründung aus dieser Zeit. Strassburg war bereits seit dem 4. Jahrhundert Bischofssitz. Die Stadt wuchs im 11. und 12. Jahrhundert zur bevölkerungsreichsten und bedeutendsten Metropole der Region. Im Jahr 1262 erlangte sie die Privilegien einer freien Reichsstadt.
Durch die geographisch günstige Lage war sie eine wichtige Station an der Verbindung zwischen Paris und Wien sowie deren Schnittpunkt mit der Nord-Süd-Achse entlang des Rheins. Der grosse Binnenhafen am Rhein machte Strassburg zum wirtschaftlichen und politischen Zentrum dieser Zeit. Bedeutung und Einfluss reichten weit in die rechtsrheinischen Gebiete wie der südbadischen Ortenau. Er war bis ins 18. Jahrhundert ein zentraler Umschlagplatz für alle Wirtschaftsgüter. Im Sog dieser Entwicklung gewannen auch andere elsässische Städte wie Haguenau und Colmar an wirtschaftlicher Bedeutung. Der Wohlstand brachte Macht und ermöglichte eine gewisse Autonomie. So bildete sich 1354 der Zehnstädtebund.
Die Gründungsmitglieder waren
Colmar, Hagenau ( Haguenau), Kaisersberg ( Kaysersberg ), Mülhausen ( Mulhouse ), Münster ( Munster ), Oberehnheim ( Obernai ), Rosheim, Schlettstadt ( Sélestat ), Türkheim ( Turckheim ) und Weissenburg ( Wissembourg), wobei sich Hagenau in leitender Position befand. Später kam Selz vorübergehend hinzu. 1515 trennte sich Mülhausen, 1521 kam Landau in der Pfalz hinzu. Damit entstand ein Handels- und Wirtschaftsbund über das Elsass hinaus nach Norden.
Der im Jahr 1339 begonnene Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England, der auch das Elsass in Mitleidenschaft zog, machte das Städtebündnis zugleich zu einer Art Wehrgemeinschaft. Dem aufkommenden Reichtum der Region verdankt unter anderem Strassburg seine prächtige Kathedrale sowie zahlreiche weitere Zeugnisse gotischer Baukunst.

Frankreichs aggressive Expansionspolitik in Richtung Osten hatte bis zum Beginn der Hundertjährigen Krieges die Linie von Rhone und Maas erreicht. Die militärische Auseinandersetzung mit England führte zu einer vorübergehenden Schwächung Frankreichs, was die weitere Expansion nach Osten zunächst bremste. Doch schon bald wieder erwachte das Streben zum Rhein. 1444 drangen französische Truppen in Lothringen und im Elsass ein, mit dem Ziel der Unterwerfung von Strassburg.


Auch im 15. Jahrhundert gingen vom Elsass wichtige Impulse aus. In dieser Zeit grosser Veränderungen gestaltete sich das politische und religiöse Denken neu.
In Strassburg arbeitete Johannes Gutenberg am revolutionären Buchdruck. Humanismus, Reformation und Fortschritte in der Breitenbildung machten seine Erfindung zur vielleicht wichtigsten des ausgehenden Mittelalters. Der Buchdruck machte das 15. zu seinem Jahrhundert.

Erstmals gelang es, die Sprache in geschriebener Form in die Breite zu transportieren.
Für die Entwicklung der Deutschen Sprache war das Elsass schon lange von zentraler Bedeutung. Kaum eine Region hat in solchem Umfang zum Aufstieg der deutschen Sprache beigetragen. Schon die "Strassburger Eide" aus dem Jahr 842 wurden in Deutsch verfasst und gelten als eines der ältesten deutschen Sprachdokumente.
Der erste namentlich bekannte althochdeutsche Dichter Otfried von Weissenburg verfasste wenig später im Elsass die ersten Gedichte in hochdeutscher Sprache.
Der Strassburger Chronist Fritsche Closener erstellte 1362 die ersten deutschsprachigen Chroniken und 1609 erschien in Strassburg die erste deutschsprachige Zeitung.

Die freien Reichsstädte des Elsass waren Vorreiter der Reformation Martin Luthers und ermöglichten so auch Gottesdienste in Deutscher Sprache.
Das Elsass war im 15. Jahrhundert eines der Zentren des Europäischen Humanismus.
Schlettstadt besass die grösste humanistische Bibliothek seiner Zeit.

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