Lothringens Rolle auf dem Weg zum heutigen Europa

 








Lothringen und Europa


Auf der Suche nach Europa

Warum nach Lothringen ?


Einen bestimmten und einzelnen Grund, warum man Lothringen besuchen sollte, können auch wir (Redaktion) nicht in aller Kürze nennen.
Zu vielfältig sind Landschaft und Geschichte, um sich auf einen bestimmten Reisegrund festlegen zu können.

Deutlich wird bei Reisen nach und durch die Départements Lothringens, dass viele Sehenswürdigkeiten in ihrer Bedeutung von geschichtlichen Schatten überragt werden. Gerade Lothringen zeigt, dass grosse Bauten und monumentale Architektur nicht immer ausreichen, um ein Land zu charakterisieren.

Besonders, wenn wir uns, wie hier, an die deutschsprachigen Leser wenden, wird der hohe Stellenwert bewusst, den Lothringen für die Völker Frankreichs und Deutschlands hat. Schnell schleicht sich die Frage ein, in wie weit wir unter so engen Nachbarn überhaupt von zwei Völkern reden können. Wie Deutsch oder wie Französisch ist das "Völkchen" der Saarländer ? Wie Französisch oder Deutsch sind die Lothringer ?

Von weiter westlich betrachtet mag manchem Franzosen ( es sei uns bitte verziehen ) der Lothringer sehr Deutsch erscheinen. Andererseits verschwimmen die teils mühsam ausgemachten Unterschiede zwischen den vielleicht viel zu wichtig genommenen Nationalitäten der Region Saar-Lor-Lux und verschmelzen nahezu zwischen den einstmals noch wahrnehmbaren Staatsgrenzen.

Wer das eigentliche Kernland Europas sucht, ist hier sicher auf einem guten Weg. Der Weg ins heutige Europa war alles andere als ein "Spaziergang". Angesichts des unendlichen Leids vergangener Jahrhunderte, kann der Wert des inzwischen mühsam etablierten Sebstverständnisses europäischer Nachbarn nicht hoch genug geschätzt werden. Wer sich emotionell auf diesen Teil Europas einlässt, erfährt Europäische Geschichte. Eindrucksvoll und intensiv, wie in wohl keiner anderen Region Europas, steht Lothringen für alle Facetten Europäischer Integration und besonders für die Überwindung nationalstaatlicher Alleigänge und aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbarer Feindschaften.

Alles hat seine Zeit, und manchmal ist es geradezu segensreich, dass Zeiten sich ändern. Vorwurfsvoll auf Vorkommnisse der Vergangenheit zu verweisen, ist nie zielführend. Aus dem Blickwinkel der jeweiligen Epoche ist Geschichte immer logisch oder zumindest erklärbar. Jede Generation ist das Produkt ihrer Zeit. Jede noch so perfide Ideologie hat stets den Weg in die Breite gefunden, das ist leider ein kaum zu leugnender "roter Faden" in der Menschheitsgeschichte. Wichtig bei der Retrospektive ist daher, die Gegenwart nach menschlich vertretbaren Gesichtspunkten zu gestalten und, soweit es in unserer Macht steht, den Weg für eine lebenswerte Zukunft zu bereiten.

Und genau darin finden wir die grosse Leistung und die Symbolik Lothringens. Ausgerechnet ein Land, dessen Bevölkerung immer wieder zwischen den Fronten mächtiger Interessen stand, und das im Laufe seiner langen Geschichte schrittweise auf Provinzgrösse zerrieben wurde, steht heute für ein Europa, in dem Nachbarn konstruktiv an einer gemeinsamen Zukunft arbeiten.

Nach einer, je nach Betrachtungsweise, weit über tausendjährigen Geschichte, in der Lothringen immer wieder auf der Verliererseite stand, ist der gemeinsame Rückblick, besonders auf die Ereignisse, die sich nun zum hundertsten Male jähren, eine bewundernswerte Leistung.


Lothringen in Europa
Lothringen und seine Nachbarregionen
Nachbarländer Belgien - Luxemburg - Deutschland
Region Elsass
Bas-Rhin und Haut-Rhin
Region Franche-Comté
Doubs - Jura - Haute-Saône - Territoire-de-Belfort
Region Champagne-Ardenne
Ardennes - Aube - Marne - Haute-Marne

Lothringen und Europa
Europäische Vergangenheit und Gegenwart
Lothringens Beitrag zur Europäischen Integration

Europa - Glaube und Macht

der Weg zur Meuse und nach Verdun
Douaumont und die Champs de Bataille
La Grande Guerre
Chronologie 1914
Verdun im Jahr 1916
die Stadt Verdun
die Voie Sacrée zwischen Verdun und Bar-le-Duc
Bar-le-Duc
Die Oberstadt von Bar-le-Duc mit der Kirche Saint Etienne

die grossen Politiker in Frankreich und Deutschland
ab Mitte des 20. Jahrhunderts - Chronologie

die Region Saar-Lor-Lux

die Lothringischen Departements
Meurthe-et-Moselle, Meuse, Moselle und Vosges

Karl IV. Herzog von Lothringen und Bar
50 Jahre Lothringer Geschichte im 17. Jahrhundert

Karl V. bis Stanislaus I. Leszczynski

Einige chronologische Daten zur frühen
Geschichte von Lothringen

Von der Dynastie Habsburg-Lothringen
bis zu den Schüssen von Sarajevo

Jeanne d´Arc
jede Zeit braucht ihre Helden

Auch eine Reihe grosser Politiker von Format fanden in den vergangenen Jahrzehnten, mal sehr schnell, mal mit etwas "Anlaufzeit" immer wieder den richtigen Ton und pflegten einen rücksichtsvollen und der Geschichte angemessenen Umgang miteinander. Es galt, Vieles aufzuarbeiten, und es setzte ein ausgeprägtes Gespür für die historischen Besonderheiten des Europäischen Kontinents voraus, zwei Nationen kollisionsfrei zueinanderzuführen, in deren Verhältnis zueinander allzu oft der Respekt den wirtschaftlichen und machtpolitischen Ansprüche unterlegen war. Mangels geeigneter Aufarbeitung, was in diesen Epochen ohnehin eher unüblich war, wurden territoriale Probleme bis ins 20. Jahrhundert mit hineingenommen.

Geradezu schicksalhaft wurde Lothringen zu einem Ort, an dem sich alle innereuropäischen Ressentiments in extremster Form entluden. Der Lauf der Geschichte hatte auf keiner Seite den kulturellen Gemeinsamkeiten eine Chance gegeben. Die einstmalige gegenseitige Bewunderung und die Synergien intellektueller Kreise waren lange vergessen, und was davon noch übrig war, wurde erneut der Demagogie geopfert. Und selbst nach den Leiden des Ersten Weltkrieges, der noch heute den Franzosen als "La Grande Guerre" gilt, fand niemand den Weg heraus aus der menschlichen Niederlage, die auf beiden Seiten zu beklagen war.
So wurde bereits eine einzige Generation später Lothringen schon wieder zum Opfer politischer Fehlgriffe der vorangegangenen Zeit.

Vielleicht war es nur ein kleines Zeitfenster, welches den Weg zum heutigen Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen ermöglichte. Ausser Frage steht, dass wir keinen besseren Weg hätten einschlagen können. Schien es manchem nach 1945 zunächst noch so, als wolle man ein zweites 1918 anstreben, führte der Weg der Geschichte Dank grosser Staatsmänner auf beiden Seiten, zu einem weltweit beachteten Miteinander. In einer mehr als glücklichen Abfolge wechselten beide Staatsführungen stets unter Fortsetzung und Vertiefung gegenseitiger bester Beziehungen. Über parteiideologische Grenzen hinweg entwickelten sich auf höchster Ebene persönliche Freundschaften, die das vorbildliche Deutsch-Französische Verhältnis förderten. Die Kontinuität dieser Entwicklung machte beide Länder zu treibenden Kräften europäischer Integration.


Gemessen an dieser grossen Integrationsleistung, die von Politikern moderiert werden kann, aber in Wahrheit auf einem in den Völkern gelebten gegenseitigen Verständnisses basiert, erscheinen Profilierungsversuche bestimmter Politiker, die sich anschicken mögen, einen Keil zu treiben, geradezu unwürdig.

So lange sich Auseinandersetzungen auf Petitessen wie eine Gemeinschaftswährung beziehen, wird niemand daraus eine Richtungsänderung erzwingen können. Europa ist weit mehr als ein "schnöder" Euro. Europa ist die Summe gemeinsamer Epochen, gemeinsamer Erlebnisse, gemeinsam erlebten Grauens und gemeinsam erlebter Versöhnung. Europa ist in seiner historisch gewachsenen Pluralität wohl niemals ein Einheitsstaat, aber Freundschaften sind weit mehr wert als verordnete Zwangsgemeinschaften. Wo Europa ein fiktives Zentrum haben könnte, sofern es dieses überhaupt benötigt, mag noch lange diskutiert werden. Zumindest der historisch bedeutendste geographische Punkt lässt sich für den einen oder anderen persönlich ermitteln. Gönnen wir doch Jedem sein individuelles Empfinden, das macht Europa nur interessanter.

Für uns liegt die versteckte Wiege Europas in Lothringen, Andere mögen es in den Palästen von Brüssel oder Strasbourg sehen, wiederum Andere beziehen sich vielleicht auf die Römischen Verträge von 1957. Europa ein gemeinsames Korsett zu verordnen, ging immer schief. Vielleicht gehört es zum besondere Charakter dieses Kontinents, dass er von oben her nie so richtig funktioniert hat. Und so ist es ausgerechnet dieser Kontinent, der sich gerne weltweit als bestens organisiert präsentiert, und dennoch auf ein bisschen augenzwinkernde Anarchie angewiesen ist, um seine Vielfalt in Balance zu halten.

Wohin uns der derzeit entstehende eurokratische Einheitsstaat führt, wird erst die Geschichtsschreibung eines Tages wissen.







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