stachelschriften
Auszüge aus der Fragestunde zum Buch
blickwinkel
Hein Michel - Erzählzyklus - Die Hütte im Wald
Transkript 3


Es folgen einige Ausschnitte unseres Gespräches in transkribierter Form
(gekürzt und geglättet).

Intro - blickwinkel:

Zum Herbst 2016 erschien ein weiteres Taschenbuch aus dem Zyklus "Hein Michel".

(Die Ausgabe "Bundesrepublikanischer Alltag" wurde in Transkript 1 und 2 besprochen)

Auch zu diesem Buch führten wir ein Gespräch mit einem der Autoren, welches wir hier unter dem Titel Transkript 3 in verkürzter Form wiedergeben.

Frage 1 blickwinkel:
00:00

...Danke für die Einladung
Protokollarisch erwähne ich vorab, daß wir uns heute in den Räumen Ihrer Redaktion befinden.
Und damit komme ich auch gleich zu meiner ersten Frage:
Im Gegensatz zu den vergangenen Gesprächen, treffen wir uns nun in Deutschland.
Gibt es dafür besondere Gründe ?

Autor:
Im Prinzip nein, sieht man einmal davon ab, daß die Sicherheitslage sich überall verschlechtert hat.
Eine feste Haustür und ein robustes Gemäuer zu haben, bietet gewisse Vorteile. Ernsthafte Sicherheitsprobleme sehen wir aber erst im nächsten Jahr auf uns zukommen. Momentan sind wir hier auf den Dörfern diesbezüglich noch beneidenswert sicher. Das ist aber nur eine Frage der Zeit. Die Antwort auf diese Frage erwarten wir bereits im kommenden Jahr.

Frage 2 blickwinkel:
00:00
Kommen wir zum aktuellen Buch:
Mir fiel auf, daß es erzählerischer ist als das vorherige.

Autor:
Das Buch des letzten Jahres bestand großenteils aus den Kurzgeschichten der vorangegangenen Jahre. Das machte eine fortlaufende Handlung schwierig. Daher war das als eine Sammlung von Episoden zu sehen.
Das aktuelle Buch entspricht eher der Vorstellung eines Romans, wenngleich ich versucht habe, nicht zu ausschweifend zu werden. Nach knapp 100 Seiten ist wieder Schluss. Das müsste über ein Wochenende zu lesen sein.

Frage 3 blickwinkel:
00:00
Ist das für einen Roman nicht doch ein wenig zu kurz geraten ?

Autor:
Wenn Sie das als zu kurz empfinden, dann freut mich das. Ich fände es schlimmer, wenn es Ihnen zu lang gewesen wäre.
Ich glaube aber, daß es genügend Anregungen für weitere Recherchen gibt. So gesehen, kann man sich durchaus auch länger mit den angesprochenen Themen befassen. Zu vielen Dingen, die im Buch angesprochen werden, haben viel schlauere Leute schon sehr viel geschrieben. Hätte ich das alles zitieren wollen, dann hätten wir nun ein Sachbuch vorliegen. Das wollte ich gerne vermeiden. Zudem stellt sich auch immer die ganz pragmatische Frage, welchen Kaufpreis man den Lesern zumuten möchte.

Frage 4 blickwinkel:
00:00
Der Titel "Die Hütte im Wald" klingt ein wenig nach Abenteuer.
Ist das so beabsichtigt ?

Autor:
Ich sehe das Buch als eine Art von Abenteuergeschichte. So ist das auch gedacht. Mit der letzten Ausgabe der Hein-Michel-Geschichten war für die Leser viel Arbeit verbunden. Zum Teil waren dort Seminartexte mit verarbeitet, die sich an ein reines Fachpublikum richteten. Das war ein anderes Genre.

Frage 5 blickwinkel:
An wen richten sich Ihre Geschichten ?
Wen wollen Sie mit Ihren Büchern erreichen ?

Autor:
Ich will niemanden vorsätzlich ärgern.
"Die Hütte im Wald" richtet sich, so wie der "Hein-Michel-Zyklus" generell, an eine eher wertekonservative Leserschaft.
Wer heute noch glaubt, gewisse rote Fahnen könnten die Welt retten, sollte sich andere Bücher suchen. Ähnliches gilt für alle anderen verbohrten Dogmatiker. Wer von den politischen Flanken des Spektrums kommt, hat sicher wenig Freude an diesem Buch. Das ist mir aber auch egal. In der Regel kennen meine Leser die "Stachelschriften".




Frage 6 blickwinkel:
Ich will es genauer wissen.
Wie stehen Sie zu den Rechten ?

Autor:
Gut. Wenn sie tatsächlich und im Ursprungssinne Rechts sind, dann ist das für mich in Ordnung.
Und um es vorwegzunehmen, ich schätze ebenso viele Alt-Linke.
Ich habe selten bessere Diskurse erlebt, als mit diesen beiden "Lagern".
Daß es auf beiden Seiten hirnfreie Zonen gibt, ist keine Ideologische Frage.

Frage 7 blickwinkel:
Halten Sie sich für den besseren Denker ?

Autor:
Keineswegs, das wäre anmaßend. Denken ist weniger eine Frage des Könnens. Niemand ist zu dumm zum Denken. Es ist vielmehr eine Frage des Wollens und des Dürfens. Denkverbote sind das Kernproblem.
Wir haben diese Verbote von außen, lesen Sie nur die Medien, oder sehen Sie sich auch nur eine dieser Talk-Runden an, dann wissen Sie, was ich meine. Und dann haben wir noch die inneren Verbote. "Das denkt man nicht, das sagt man nicht, das schreibt man nicht."



Frage 8 blickwinkel:
Sind wir unfrei ?

Autor:
Jeder, der auch nur ein Stück weit über dem Schimpansen steht, kann denken, sprechen und schreiben. Wir Alle können es, nur wenige tun es, und noch viel weniger Zeitgenossen dürfen es.
Frei denken zu wollen, kann anstrengend sein. Frei reden zu können, ist eine Gabe. Frei schreiben zu dürfen, ist inzwischen zu einer Gnade geworden.
Wer wirklich frei denken will, sollte vor sich selbst nicht erschrecken. Wer gänzlich frei reden will, sollte eine sichere Weste tragen. Wer frei schreiben will, sollte nicht von Honoraren abhängig sein.
Freiheit oder Unfreiheit sehe ich nicht statisch. Beides sind Prozesse. Keine Gesellschaft ist absolut frei oder unfrei. Sind Freilandhühner wirklich frei? Sind wir schon unfrei, wenn wir Gartenzäune haben?

Frage 9 blickwinkel:
Wie frei sehen Sie sich persönlich als Autor ?

Autor:
Ich freue mich, Leser zu haben. Ich freue mich aber auch, daß ich mich nicht marktgerecht verhalten muss.
Meinten Sie das?



Frage 10 blickwinkel:
Das beantwortet zumindest einen Teil meiner Frage.
Zum Schluss würde mich natürlich interessieren, ob und wie es mit den Michels weitergeht.

Autor:
Michels sind ein Zeitspiegel. Die Geschichten zeigen nur Ausschnitte. So lange das Zeitgeschehen weiterläuft, wird es auch Michels geben. Sie begegnen uns überall und zu jeder Zeit. Wie es weitergeht, erfahren wir, wenn wir sie erkennen und beobachten. Ob daraus wieder ein Buch wird, entscheiden Hein und Luise.



"Die Hütte im Wald"
Taschenbuch - Softcover - DIN A5 - 96 Seiten
Einzelpreis Eu 8,50 zzgl. Postversand Eu 1,50
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